Ganz besonders - Tesla

🐾 Unser Schulhund – Lernen mit Herz

Tesla

Tesla stellt sich vor

Unser Schulhund „Tesla“ ist eine Lagotto-Romagnolo-Hündin und im Team tätig mit Yvonne Theur-Janisch, Lehrerin an der GS Rethen.

„Und der Umgang mit Tieren, ihre Versorgung, die freundliche Resonanz auf Zuwendung, all das erlaubt Kindern ein Wiederentdecken von immatriellen Werten, die in einer hochentwickelten Leistungsgesellschaft zu selten erfahren werden.“ (Schwarzkopf & Olbrich, „Lernen mit Tieren“ in Menschen brauchen Tiere – Grundlagen und Praxis der tiergestützten Pädagogik, Kosmos 2003, S. 253).

Dieses Zitat spiegelt den Grundgedanken meiner pädagogischen Arbeit mit der Schulhündin wider. Die Stabilisierung jedes Einzelnen im sozial-emotionalen Bereich, damit verbunden die Schulung der Empathiefähigkeit der Kinder stellt einen Schwerpunkt meiner Zielsetzung dar. Durch eine unvoreingenommene und wertfreie Begegnung stärkt der Hund die Persönlichkeitsstruktur der Schülerinnen und Schüler und fördert ihr Selbstbewusstsein (vgl. Prof. Dr. E. Olbrich, Menschen brauchen Tiere – Grundlagen und Praxis der tiergestützten Pädagogik, Kosmos 2003)

Den Schülerinnen und Schülern (im Folgenden SuS genannt) das Gefühl zu vermitteln, „so wie du bist“ angenommen und in „deinem Tun“ wertgeschätzt zu werden, liegt mir besonders am Herzen.

Was ist ein Schulhund?

Wir erklären euch alles Rund um den Schulhund

Ein Schulhund ist ein speziell ausgebildeter und geprüfter Hund, der in Schulen eingesetzt wird, um Kindern Erfahrungen im Umgang mit Hunden zu ermöglichen. Der Schulhund ist an seine Bezugsperson gebunden, mit der er gemeinsam im Haushalt lebt.

Das ausgebildete „Mensch-Hund-Team“ unterstützt die pädagogische Arbeit an der Schule und schafft Interaktionen zwischen den Kindern und dem Hund. Wie der pädagogische und zeitliche Einsatz an unserer Schule aussieht, darauf komme ich im Laufe des Konzepts zu sprechen.

Wirkung auf den Klassenverband

Untersuchungen von Brita Ortbauer haben ergeben, dass allein schon die zeitweilige Anwesenheit eines Hundes im Klassenverband Veränderungen bewirken kann:

  • Schüler gehen lieber zur Schule.
  • Außenseiter werden aus ihrer Isolation geholt.
  • Auffälligkeiten reduzieren sich.
  • Positive Sozialkontakte werden gefördert.
  • Lehrer werden mehr beachtet.
Durch gelenkte Interaktionen im Klassenverband, in der Kleingruppe oder in der Einzelarbeit können unter anderem Probleme in den Bereichen Sozialverhalten, Emotionalität, Lern- und Arbeitsverhalten, Motorik und Wahrnehmung aufgearbeitet werden, da der Hund als „Katalysator“ wirkt.

Rechtliche Fragen

Neben versicherungstechnischen Erfordernissen (Tierhalter-Haftpflichtversicherung, s. Anlage) wurde vor dem Einsatz unserer Schulhündin das Einverständnis des Kollegiums und der Schulleitung eingeholt. Die Gesamtkonferenz und der Schulvorstand wurden am 20.11.2019 über den Einsatz informiert. Beide Gremien erhielten die Möglichkeit, Fragen zu stellen und eventuelle Bedenken zu äußern. Der Förderverein der Schule unterstützt die Schulhundausbildung finanziell. Eine Genehmigung der Landesschulbehörde liegt der Schulleitung vor.

Tesla

Voraussetzungen

Unsere Schulhünding mindert Stress und ist selbst stressresistent, liebt SteiCheleinheiten, sorgt für RuHe, Unterstützt, ist SeeLentröster & StreitscHlichter, förder AUfmerksamkeit und RücksichtNahme, ist für D I C H Da! ( Die fetten Buchstaben ergeben hintereinander: SCHULHUND)

Lagotto Romangrolo

Steckbrief

Steckbrief Schulhündin
Hygiene

Hygieneregeln

  1. Vor und nach dem Hundekontakt die Hände mit Seife waschen.
  2. Das Ablecken und Hundeküsse vermeiden.
  3. Beim Vorbereiten von Speisen und während des Essens keinen Hundekontakt.

Gesundheitliche Voraussetzungen

Ein Schulhund erhöht das Gesundheitsrisiko für die Kinder nachweislich nicht. Es ist gewährleistet, dass der Hund rundum gesund ist. Tesla wird regelmäßig von einer Tierärztin untersucht. Eine sorgfältige Gesundheitskontrolle im Hinblick auf Impfungen, Entwurmungen und Parasitenvorsorge wird in den vorgeschriebenen Intervallen durchgeführt und in der Schulhundmappe (welche im Sekretariat einsehbar ist) aktualisiert.
Für alle Kinder, die mit der Hündin in der Schule Kontakt haben, gelten die aufgeführten Regeln vom Hygieneplakat. Dieses sollte beim Hundebesuch in jeder Klasse aushängen. In den Klassenräumen und auf den Toiletten stehen den Kindern Waschmöglichkeiten mit Seife und Einmal- Papiertüchern zur Verfügung. Während der Frühstückspause bleibt Tesla an der Leine, um den Kontakt des Tieres mit Lebensmitteln zu vermeiden. Teslas Rasse zählt zu den anti-allergischen Hunderassen. Sie verfügt über eine niedrige Anzahl von Allergenen und ist daher besser für Allergiker geeignet. Sollte bei einem Kind eine Hundehaarallergie vorliegen, wird der direkte Kontakt zu diesem vermieden. Die Eltern aller Kinder der Schule erhalten vor dem ersten Besuch einen Elternbrief, zu dem sie zum Kontakt ihres Kindes mit der Hündin Stellung nehmen sollen. Alle zukünftigen Erstklässler erhalten einen gesonderten Brief.

Klare Regeln und eine gute Vorbereitung bilden die Grundlage für ein entspanntes und sicheres Miteinander.

Vorbereitende Maßnahmen​

Das Kollegium wird bei einer Dienstbesprechung über die Einsatzmöglichkeiten von Tesla informiert. Die KollegInnen werden im Umgang mit der Hündin (Wohlfühlregeln), Hygieneregeln und Beispielen für die pädagogische Arbeit gebrieft. Bevor Tesla ihren Einsatz im Unterricht antritt, werden Teslas Wohlfühlregeln mit den Kindern besprochen und zum Wohle des Hundes und der Kinder auf die Einhaltung der Regeln hingewiesen. Für den Fall, dass es der Hündin nicht gut geht, weil z.B. Regeln gebrochen wurden, ist es möglich, Tesla umgehend in einen separaten Raum mit Hundeplatz zu bringen. Dafür ist es relevant, dass eine zweite Lehrkraft oder pädagogische Mitarbeiterin vor Ort ist, die kurzfristig den Unterricht übernehmen und die Kinder beaufsichtigen kann. Vor jedem Hundebesuch werden die KollegInnen über ein Schild „Heute ist Tesla zu Besuch“ im Lehrerzimmer informiert. Je nachdem in welcher Klasse Tesla eingesetzt wird, informiert ein Schild an der Klassenraumtür über Teslas Anwesenheit. Im Klassenraum befindet sich für Tesla ein Hundebereich mit Box, Wassernapf und Hundedecke. Bei Besuch in einer anderen Klasse nehme ich die Hundedecke und den Wassernapf mit.

Teslas Wohlfühlregeln​

  1. Ich höre viel besser als du, verhalte dich daher bitte leise, wenn ich in der Nähe bin
  2. Ich entscheide, bei welchem Kind ich sein möchte.
  3. Ich liebe es, gestreichelt zu werden, aber bitte nur von zwei Kindern gleichzeitig und von unten.
  4. Ich fresse für mein Leben gern. Bitte lass nichts herumliegen, was ich verschlucken könnte und wirf deinen Müll in den Mülleimer.
  5. Verschließe deinen Schulranzen, wenn ich komme!
  6. Wenn ich schlafe und wenn ich fresse, möchte ich nicht gestört werden.
  7. Ruf mich bitte nicht ständig, das bringt mich durcheinander.
  8. Lauf mir bitte nicht hinterher und halte mich nicht fest, sonst bekomme ich Angst.

Die Pädagogische Arbeit mit Tesla

Nach Abschluss der Schulhundausbildung im Mai 2020 wird Tesla mich zweimal in der Woche für bis zu 3 Stunden täglich in den Unterricht begleiten. Zu Beginn wird sie meine Klasse kennenlernen. Später ist auch der Einsatz in den anderen Klassen der GS Rethen nach Absprache mit der jeweiligen Klassenlehrkraft stundenweise möglich. Wie die pädagogische Arbeit in der jeweiligen Klasse aussieht, entscheidet die Klassenlehrkraft in Rücksprache mit mir. Im Folgenden stelle ich meine pädagogische Arbeit in verschiedenen Einsatzfeldern vor.

Der Einsatz in unterschiedlichen Arbeitsgruppen

Im Klassenverband

Die Einführung des Hundes in den Unterricht/ die Lerngruppe erfolgt in drei Stufen.

1. Stufe: Einführungsphase

Die Einführung findet ohne Hund statt. Die SuS erlernen die wichtigsten Regeln: Wohlfühlregeln, Verhaltensregeln im Umgang mit dem Hund, Bissprävention. Sie können Wünsche äußern, von Erfahrungen berichten und Fragen stellen.

2. Stufe: Kennenlernphase

Die zweite Stufe, mit Hund, dient dem gegenseitigen Beschnuppern und dem Vertrauensaufbau. Ein Hundedienst (zwei Kinder) sorgt dafür, dass der Wassernapf gefüllt und der Stuhlkreis vorbereitet ist, bevor Tesla den Klassenraum betritt.

Das Begrüßungsritual findet grundsätzlich im Kreis statt, während alle Kinder bereits sitzen („Hallo Tesla“ und Leckerligabe). Der Hund wird im Rahmen kleiner Spiele „Was ist anders“, „Suchspiel“ vorgestellt. Die Kinder können in einer Fragerunde Besonderheiten und Eigenschaften der Hündin herausfinden. In den folgenden Stunden liegt der Fokus auf Spielformen mit der Hündin, die eine körperliche Kontaktaufnahme (durch streicheln, berühren) ermöglichen und dem Kennenlernen von Bedürfnissen und dem Ausdrucksverhalten. Die theoretischen Inhalte werden mit praktischen Übungen kombiniert. Die Spiele und der fachliche Input finden meist im Kreis statt, während die Sicherung des Wissens in Form von Arbeitsblättern auf dem Sitzplatz erfolgt. Die Hündin bewegt sich in der Bearbeitungsphase frei im Klassenraum. Der Fächerbezug ist zu Beginn des Einsatzes dem SACHUNTERRICHT zuzuordnen:

  • Ein Steckbrief wird erstellt,
  • Verhaltensregeln,
  • Versorgung,
  • Körperteile,
  • Körpersprache,
  • Richtiger Umgang mit Hunden.
3. Stufe: Arbeitsphase

In der Arbeitsphase wird die Hündin nun auch fächerübergreifend eingesetzt. Die SuS kennen die Hündin. Sie sind an ihre Teilnahme am Unterricht gewöhnt. Eine ritualisierte Begrüßung und ein Abschluss („Tschüss, Tesla“) rahmen den unterrichtlichen Einsatz. Mit Hilfe unterschiedlicher Materialien (Glücksrad, Würfel, Drehscheibe…) kann die Hündin methodisch in den Unterricht eingebunden werden:

  • Gruppeneinteilungen,
  • Abfrage von Vokabeln und Lernwörtern,
  • Stellen von mathematischen Aufgaben,
  • Leseübungen,
  • Wissensabfragen.
In der Kleingruppe
Die oben aufgeführten Möglichkeiten sind auch gut mit der Kleingruppe zu realisieren. Noch dazu biete ich zwei Kindern in der großen Pause die Gelegenheit, mit mir und der Hündin eine 20minütige Gassirunde zu gehen. Hierbei können die Kinder weitere Fragen los werden, die Aufmerksamkeit der Hündin auf sich lenken, kleine Aufgaben während des Spaziergangs (Leinenführigkeit) übernehmen. Immer wenn SuS ihre schriftliche Arbeit zügig und sorgfältig erledigt haben, bekommen bis zu zwei Kinder die Möglichkeit, die Hündin zu streicheln. Sofern mehrere Kinder gleichzeitig fertig werden, dürfen sie sich mit den Streicheleinheiten abwechseln.
In der Einzelförderung
Die volle Aufmerksamkeit der Hündin für sich zu haben, gibt gerade zurückhaltenden oder auch lernschwächeren Kindern die Möglichkeit, aus sich herauszukommen, motiviert ihre Aufgaben zu bewältigen und mit Hilfe der Hündin zu präsentieren. So könnte Tesla sich zum Beispiel vorlesen oder vorrechnen lassen.
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Ziele

Welche Ziele verfolge ich mit Teslas Einsatz?

Sozialverhalten, Emotionalität, Lern- und Arbeitsverhalten, Motorik und Wahrnehmung

Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen

Die Kinder erlernen im Umgang mit der Hündin, dass es für Teslas Wohlergehen unabdingbar ist, aufgestellte Regeln (wie z.B. Ruhe und Ordnung) einzuhalten und sich in Rücksichtnahme zu üben. Sie achten selbstständig auf die Einhaltung der Regeln. Jeder fühlt sich verantwortlich, nichts rumliegen zu lassen und an seinem Platz Ordnung zu halten. Der wechselnde Hunde-Dienst übernimmt Verantwortung, indem er sich um die Versorgung der Hündin kümmert und die Begrüßungsphase (verteilt Leckerlis an die Kinder, stellt Hockerkreis) vorbereitet.

Die Kinder kommen gern zur Schule und nehmen intensiv Anteil an Teslas Wohlbefinden. Bewiesen ist, dass Menschen, die etwas gerne tun, erfolgreicher sind, in dem was sie tun. Die Atmosphäre im Klassenzimmer wird positiv beeinflusst. Die Anwesenheit von Tesla initiiert vermehrt positive Sozialkontakte, der soziale Zusammenhalt der Klasse wird dadurch gestärkt. Tesla übt eine große Faszination auf alle SuS aus. Ängstlichen Kindern gelingt es, ihre Angst zu überwinden. Sie sind stolz, ihr ein Leckerli oder ein Kommando zu geben, sie vorsichtig zu berühren oder gar zu streicheln. Aufgeregte, motorisch überaktive Kinder kommen in Teslas Gegenwart zur Ruhe. Die Hündin spiegelt das Verhalten der Kinder. Sie zeigt sich entspannt, wenn die Kinder sie langsam und ruhig streicheln. Kindern mit einer Autismus- Spektrumstörung oder geistigen Entwicklungsstörung fällt es leichter, Kontakt zum Hund als zu Personen aufzunehmen. Somit könnte eine Kommunikation mit dem Kind und der Aufbau von Vertrauen über den Hundeeinsatz erfolgen.

Förderung eines positiven Lern- und Arbeitsverhaltens

Die SuS profitieren von einer ruhigen Arbeitsatmosphäre. Arbeitsblätter werden sofort weggeheftet und Stifte vom Boden aufgehoben. Die SuS können sich eine Auszeit zum Streicheln nehmen, wenn sie eine gewisse Zeit konzentriert gearbeitet haben. Die Lernmotivation wird über den methodischen Einsatz der Hündin heraufgesetzt. Schüchterne und leistungsschwache Kinder gewinnen Zutrauen in ihre Arbeit, indem sie der Hündin ihre Ergebnisse präsentieren können.

Wahrnehmungsförderung und Motorik

Die haptische Wahrnehmung und auch die Motorik der Kinder wird über das Streicheln verschiedener Körperteile des Hundes mit unterschiedlichem Druck und der Gabe von Leckerlis angesprochen. Das genaue Beobachten der Körpersprache des Hundes, sowie sein Spiegeln von Verhaltensweisen der Kinder, ermöglicht den SuS, ihre visuelle Wahrnehmung zu schulen. Zudem werden über das gemeinsame Spiel Körpererfahrungen gesammelt, die sich auf die eigene Körperwahrnehmung auswirken.

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